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Datum: 09.07.2019 - 15:00 Uhr | Schleswig-Holstein

Landwirte haben genug von ständigen Kontrollen: Auto von Kontrolleuren des Landesamtes wird mit Traktoren blockiert

Veterinäre waren zu unangemeldeter Kontrolle auf dem Hof aufgetaucht - Landwirte rebellieren gegen Kontrollwut - Anzeige gegen Traktorfahrer

Landwirte haben genug von ständigen Kontrollen: Auto von Kontrolleuren des Landesamtes wird mit Traktoren blockiert: Veterinäre waren zu unangemeldeter Kontrolle auf dem Hof aufgetaucht - Landwirte rebellieren gegen Kontrollwut - Anzeige gegen Traktorfahrer

Datum: 09.07.2019 - 15:00 Uhr
Ort: Barlt / Schleswig-Holstein / Dithmarschen

Den Landwirten in Barlt im Kreis Dithmarschen stinkt es gewaltig. Sie wehren sich öffentlich gegen die, wie sie sagen "Kontrollwut" der Behörden auf ihren Höfen - und nehmen dabei sogar, wie heute Strafanzeigen in Kauf, um auf ihr Problem aufmerksam zu machen.
Gegen 13.30 Uhr waren zunächst zwei Kontrolleure des Landeslabors Schleswig-Holstein auf dem Hof von Gerd Thiessen erschienen, um die korrekten Aufzeichnungen über die Tierhaltung, die Medikamentenanwendungen und alle Tiere auf das Vorhandensein von Ohrmarken zu kontrollieren. Gerd Thiessen ließ sich jedoch in seiner Mittagspause nicht stören - und schickte die Kontrolleure wieder vom Hof. Doch diese kamen wieder - konnten ihre Kontrolle aber trotzdem nicht durchführen. Zwei Traktorfahrer hatten das Fahrzeug der Veterinäre mit ihren großen Schleppern blockiert, sodass diese die Polizei rufen mussten.
"Wir haben nichts persönlich gegen die Kontrolleure", sagt Thiessen und ergänzt: "Die machen ja auch nur ihren Job". Er befürchtet jedoch, dass durch die ständigen Kontrollen von Kleinbetrieben und die ganze Bürokratie viele Kleinbetriebe irgendwann aufgeben müssen - "und das ist genau das Gegenteil von dem, was die Politik immer propagiert, nämlich das Kleinbetriebe erhalten werden sollen".
Nach rund 45 Minuten erschien dann eine Polizeistreife auf Thiessens Hof - und forderte die Schlepperfahrer auf, ihre Maschinen wegzufahren, sodass die Kontrolleure ihre Fahrt fortsetzen konnten. Zudem erhalten beide eine Anzeige wegen Nötigung - ein hoher Preis, aber den Landwirten in Barlt ist es das Wert, damit auch die Verbraucher auf die nach ihrer Ansicht untragbare Situation aufmerksam werden.

© westkuesten-news.de / Florian Sprenger
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Unsere O-Töne
- O-Ton Gerd Thiessen, Landwirt:
"Wir hatten heute gegen 13.30 Uhr eine Kontrolle vom Landeslabor, die sicherlich auch rechtens war. Es sollten Bestandsbücher, Medikamentenbücher und die Ohrmarken der Tiere kontrolliert werden. Wir haben alle Nase lang Kontrollen und wir haben jetzt die Nase voll. Diese Methoden machen wir nicht mehr mit, wir haben die Faxen dicke. Von Seiten der Politik wird immer erzählt dass kleine Betriebe erhalten bleiben sollen, aber genau das Gegenteil passiert. Meine Tochter hat zum Beispiel eine Milchtankstelle eröffnet und hatte gleich im ersten halben Jahr zwei Kontrollen, sie sagt jetzt wenn die Bürokratie mehr Arbeit macht als die eigentliche Arbeit mache ich den Laden wieder dicht. Und dann geben die kleinen auf und die Großen werden immer größer. Nachdem die Kontrolleure um 13.30 Uhr geklingelt haben habe ich gesagt dass ich vor 14 Uhr nicht gestört werden will. Dann habe ich Kollegen angerufen und als die Kontrolleure wiederkamen haben die mit ihren Schleppern das Auto blockiert. Jetzt wird wohl eine Anzeige wegen Nötigung erstattet, aber das war unsere einzige Chance an die Öffentlichkeit zu kommen. Wir werden immer mit unseren Prämien erpresst - nur durch die Prämien können wir die Lebensmittel überhaupt so billig produzieren, und für jede Kleinigkeit wird die Prämie um 1-2 Prozent gekürzt.
- O-Ton Martin Thiessen, Landwirt: "Ich bin dabei bald den Betrieb hier zu übernehmen, aber so wie das in Deutschland läuft vergeht mir wirklich die Lust dazu. Wir geben uns größte Mühe die Tiere gesund zu halten, alleine aus eigenem Interesse, denn gesunde Tiere sind gute Tiere für uns. Aber es wird uns immer schwerer gemacht, immer mehr wird verboten, wir werden immer mehr kontrolliert, wir dürfen immer weniger machen. Es sind oft unangemeldete Kontrollen und bei den ganzen Gesetzen kann man gar nicht mehr alles einhalten was man einhalten soll. Wir bekommen kaum Geld für unsere Produkte und uns fehlt die Zeit und um alles zu kümmern worum wir uns eigentlich kümmern sollen. Wir haben keine 40-Stunden-Woche, ich selbst hatte dieses Jahr zwei Tage frei. Ich habe einfach die Schnauze voll.
- O-Ton Christian Brandt, Schäfer: "Die Dame vom Landeslabor sagte als erstes "Sie wollen ja die Prämie haben", damit werden wir immer erpresst. Damit werden auch sämtliche Maßnahmen durchgesetzt. Ich bin Schäfer und bei Berufskollegen sind die Kontrolleure in der Lammzeit unangemeldet gekommen, da muss man dann alles stehen und liegen lassen und die Kontrollen über sich ergehen lassen. Die Schäfer sind in der Lammzeit Tag und Nacht im Stall, kümmern sich um die Geburten und füttern die Tiere und sollen dann auch noch alles stehen und liegen lassen für die Kontrollen. Die Landwirtschaft ist der meistkontrollierte Berufszweig und trotzdem stehen wir so schlecht in der Öffentlichkeit dar. Das kann einfach nicht mehr sein. Die Lebensmittel sind alle immer und überall verfügbar. Niemand macht sich mehr Gedanken darüber, wie die eigentlich produziert werden und wie die Tiere aufgezogen werden.

    Unsere Bilder
  • Blick auf den Hof
  • große Traktoren blockieren Veterinärfahrzeug
  • Großer Menschenauflauf auf dem Hof
  • Polizei vor Ort, Gespräch zwischen den Beteiligten
  • Schlepper werden weggefahren
  • Schnittbilder

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