NEWSID: 2034
Datum: 22.03.2020 - 22:00 Uhr | Schleswig-Holstein

Hungernde Tiere statt leuchtender Kinderaugen: Zirkus strandet nach Corona-Auftrittsverbot in der norddeutschen Provinz und steht mit trächtigem Kamel kurz vor der Pleite

Artisten hatten gerade ihr Zelt auf dem Marktplatz aufgebaut als Corona-Maßnahmen für sofortigen Tourstopp sorgten - Futterversorgung für Tiere in Gefahr - Hochträchtige Kamelkuh wird vermutlich für die erste Kamelgeburt in Dithmarschen sorgen - Anwohner bringen Geld- und Futterspenden

Hungernde Tiere statt leuchtender Kinderaugen: Zirkus strandet nach Corona-Auftrittsverbot in der norddeutschen Provinz und steht mit trächtigem Kamel kurz vor der Pleite: Artisten hatten gerade ihr Zelt auf dem Marktplatz aufgebaut als Corona-Maßnahmen für sofortigen Tourstopp sorgten - Futterversorgung für Tiere in Gefahr - Hochträchtige Kamelkuh wird vermutlich für die erste Kamelgeburt in Dithmarschen sorgen - Anwohner bringen Geld- und Futterspenden

Datum: 22.03.2020 - 22:00 Uhr
Ort: Sankt Michaelisdonn / Schleswig-Holstein / Dithmarschen

Normalerweise leuchten die Kinderaugen noch heller als das gelbe Zirkuszelt der Familie Lauenburger, wenn in ihrem Zirkus "Granada" die Vorstellung mit Artisten und Kamelen, Alpackas, Pferden, Hunden, Enten und Ziegen startet. So lautete auch der Plan, als die Schausteller in Sankt Michaelisdonn anreisten. Wie gewohnt bauten sie ihr Zelt auf dem Marktplatz auf und richteten alles für die Zuschauer her - doch noch bevor die erste Vorstellung starten konnte, kamen die Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus - und damit gleichzeitig das vorzeitige Ende der Tour durch Norddeutschland für Familie Lauenburger.
Nun steht der kleine Familienbetrieb mit rund 40 Tieren vor dem finanziellen Ruin: Die Reserven für Mensch und Tier reichen nicht einmal mehr für vier Wochen - und zwei "Familienmitglieder" erwarten auch noch Nachwuchs. Sowohl die Frau von Zirkuschef Manuel Lauenburger, Marleen Lauenburger, als auch Kamelkuh Laika erwarten Nachwuchs - und zumindest bei dem vierbeinigen Nachwuchs könnte es zu einem geschichtsträchtigen Ereignis kommen - denn sehr vermutlich wird die Kamelkuh ihren Nachwuchs in der norddeutschen Provinz zur Welt bringen - was nach Angaben von Bürgermeister Volker Nielsen die erste Kamelgeburt im ganzen Landkreis wäre.
Doch die Futter- und Geldreserven reichen höchstens noch für vier Wochen. Und dabei hatten die Lauenburgers schon Glück, überhaupt einen Übernachtungsplatz zu bekommen. Die Gemeidne stellte ihnen eine Weidefläche unentgeltlich zur Verfügung.
Manuel Lauenburger rechnet mit einer Zwangspause von mindestens zweieinhalb Monaten - daher sind die Menschen und die Tiere auf Futter- und Geldspenden angewiesen. Und zumindest einige Bürger zeigen ein Herz.
Kerstin Reeberg, die in der Nachbarschaft wohnt, brachte den Lauenburgers sowohl eine Geld- als auch eine Futterspende ihrer Schwerster auf den Platz.
Der Bürgermeister Volker Nielsen hatte nach Beginn der Misere ein Spendenkonto eingerichtet, um die Familie weiter zu unterstützen.
Das größte Ziel der Lauenburgers ist es, dass weder ihre geliebten Tiere noch sie selbst aufgrund der nicht absehbaren Situation in Pleite rutschen und sie endgültig in Dithmarschen stranden, ohne noch einmal mit ihrer Show Kinderaugen zum Leuchten gebracht zu haben.

Spendenkonto:
Amtskasse der Gemeinde St.Michaelisdonn
IBAN: 30 222 500 20 0001 0002 92 mit dem Hinweis "Futterspende Zirkus Granada"

© westkuesten-news.de / Karsten Schröder
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Unsere O-Töne
O-Ton Manuel Lauenburger - Juniorchef: "Die aktuelle Situation sieht sehr schlecht aus, da wir hier momentan Stillstand haben und auch keine Verdienste reinkommen. Natürlich ist es auch sehr schwer nicht zu wissen wann es weitergeht. Das ist eigentlich das Schlimmste mit, da wir unsere Tournee immer voll durchgeplant haben und Winter wie Sommer immer unterwegs sind, ist der Stillstand für uns jetzt extrem schwer. Wir haben jetzt derzeit 40 Tiere dabei, die wir auch immer auf der ganzen Tour dabei haben. Wir haben im Monat Futterkosten zwischen 2000€ und 4000€. Wir können höchstens noch einen Monat durchhalten mit allen Unkosten. Wir wollten hier in St. Michaelisdonn ein Gastspiel geben und waren auf den nicht so großen Marktplatz. Plötzlich wurden alle unsere Auftritte durch den Virus abgesagt und da kam der Bürgermeister vorbei und hat uns diese Fläche kostenlos zur Verfügung gestellt, weil die denn auch für die Tiere größer ist. Gerade wegen dem Auslauf für die Tiere. Durch die Krise fallen für uns jetzt schon bis Mai mindestens acht Standorte weg. Da wissen wir noch nicht einmal, ob wir diese Auftritte dieses Jahr überhaupt noch einholen können. Zusammen mit den letzten beiden Wochen kann man rechnen, dass wir insgesamt 10 Wochen Stillstand und somit auch keine Verdienste haben. Das ist natürlich schon sehr extrem. 
Wir stehen in Kontakt mit mehreren Zirkusunternehmen, weil man natürlich auch mal sehen will, wann es endlich weitergeht. Natürlich hat jeder Zirkus Stillstand und ich hoffe, dass jede Gemeinde so nett ist wie hier und stellt eine Fläche zur Verfügung. Das Wichtigste für uns ist momentan das Tierfutter. Wer kein Futter hat oder keinen Landwirt kennt kann natürlich auch Geld spenden damit wir davon Tierfutter kaufen können."

O-Ton Kerstin Reeberg - Spenderin: "Ich habe heute eine Futterspende mitgebracht. Meine Schwester ist so freundlich und stellt Heu zur Verfügung und ich habe noch eine Geldspende mitgebracht, um den Leuten hier vor Ort zu helfen und die schwierige Zeit zu überstehen. Ich habe davon aus der Zeitung erfahren. Der Bürgermeister hatte einen kleinen Bericht in der Zeitung und ich wohne hier in der Nachbarschaft und habe gesehen, dass hier aufgebaut wird.
In dieser Zeit war es ja klar, dass die hier gestrandet sind und das man denn helfen muss."

O-Ton Volker Nielsen - Bürgermeister der Gemeinde St. Michaelisdonn: "Vor einigen Wochen hat der Zirkus Granada bei uns nachgefragt, ob sie auf dem Marktplatz für ein Wochenende gastieren können mit zwei Vorstellungen. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Wir haben einmal im Jahr auf dem Marktplatz einen Zirkus und das wird hier im Ort ganz gut angenommen und somit habe ich zugesagt. Im Zuge der Coronakrise konnte leider nicht aufgetreten werden. Sofort trat eine Notlage ein, weil keine Einnahmen da seien und wir haben uns zusammen gesetzt und überlegt was wir gemeinsam machen können. Da haben Gemeinde und die Familie Lauenburger gute Wege zueinander gefunden auch im Interesse der Tiere natürlich, dass sie vernünftig und gut untergebracht werden. Wir haben dann sofort innerhalb unserer Gemeinde, wir sind ein ländlicher Zentralort mit 3400 Einwohner, Informationen weitergegeben, dass Geldspenden für Futterkauf für die Tiere möglich sind, aber auch Landwirte die Heu und Stroh haben gerne sich hier mit Familie Lauenburger in Verbindung setzen können und das wird auch so laufen. Es ist schon auf dem Spendenkonto über 1000€ eingegangen für den weiteren Betrieb. Unsere Bürger in der Gemeinde stehen dem sehr offen gegenüber. Wir sind in einer Gesamtkrisenlage in Deutschland und da ist Hilfsbereitschaft und Solidarität wichtig. Auch unser Pastor Tom Wolter hat über den Kirchenboten die Bürger aufgerufen hier zu unterstützen. Das läuft auch alles sehr gut an und wir freuen uns, dass wir auch hoffentlich hier gute Gastgeber seine können für Mensch und Tier. Wir haben diese Landwirtschaftliche Fläche, ist Eigentum der Gemeinde, die sollte an einen Schäfer verpachtet werden der muss jetzt noch bisschen warten und direkt unmittelbar an dieser Fläche ist der Siedlerbund St. Michaelisdonn. Dieser Verein stellt Strom und Wasser zur Verfügung, sodass wir hier vernünftige Rahmenbedingungen haben und die Weide wird denn erst später verpachtet, wenn die Coronakrise so vorbei ist, dass Zirkus Granada wieder auftreten kann. 
Diese beiden Tiere sind hier auch die größten Tiere die natürlich auch sehr markant sind und im Ort schon darüber gesprochen wird Kamele hatten wir in St. Michaelisdonn bisher noch nicht und wie Herr Lauenburger sagte wird hier Nachwuchs erwartet und das könnte denn ja das erste in Dithmarschen geborene Kamel sein. Das ist schon etwas besonderes für uns.
Nachfrage: Hätten Sie schon einen Namen? (Muss laut lachen)
Naja unsere Kreispräsidentin heißt Ute und ich heiße Volker, das sind doch zwei interessante Namen, aber ich weiß leider nicht, wie die Namensgebung bei Kamelen normalerweise geht."

    Unsere Bilder
  • Junior-Chef Manuel Lauenburger zeigt den Stellplatz
  • Verschiedene Tiere in ihrem Gehege
  • Eine Spenderin übergibt Geld
  • und Futterspenden an die Familie
  • Übergabe der ersten Geldspende von Bürgermeister Volker Nielsen
  • Bürgermeister informiert sich über aktuelle Situation
  • Fahrzeuge, Wohnwagen und Zelte auf der Weide
  • Totale vom Stellplatz
  • Mehrere O-Töne
  • Schnittbilder

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