NEWSID: 2044
Datum: 09.05.2020 - 08:44 Uhr | Schleswig-Holstein

Gefährlicher Leichtsinn: Junger Mann (19) klettert auf Hochspannungsmast und erleidet Stromschlag von 10.000 Volt - Feuerwehr kann über Kopf hängenden Verletzten erst nach anderthalb Stunden retten

Begleiter versuchte noch seinen Freund zu retten - Netzbetreiber muss erst komplettes Umspannwerk vom Netz nehmen, bevor Feuerwehr Opfer retten kann - Über 1000 Haushalte ohne Strom

Gefährlicher Leichtsinn: Junger Mann (19) klettert auf Hochspannungsmast und erleidet Stromschlag von 10.000 Volt - Feuerwehr kann über Kopf hängenden Verletzten erst nach anderthalb Stunden retten: Begleiter versuchte noch seinen Freund zu retten - Netzbetreiber muss erst komplettes Umspannwerk vom Netz nehmen, bevor Feuerwehr Opfer retten kann - Über 1000 Haushalte ohne Strom

Datum: 09.05.2020 - 08:44 Uhr
Ort: Kellinghusen / Schleswig-Holstein / Kreis Steinburg

Es war ein mehr als gefährlicher Leichtsinn, der einem 19-jährigen Mann am Freitagabend in Kellinghusen in Schleswig-Holstein fast das Leben gekostet hat. Zwei Freunde waren am Freitagabend gegen 20:40 Uhr an der Rensinger Chaussee in der Nähe von Kellinghusen unterwegs, als einer der beiden jungen Männer auf einen Hochspannungsmast kletterte.
Sein Kumpel habe offenbar noch versucht, ihn von der lebensmüden Idee abzubringen - dafür war es jedoch schon zu spät. Sein Begleiter kletterte daraufhin wieder von dem Mast und wählte den Notruf. Der Jugendliche hatte vermutlich spannungsführende Teile an dem Mast berührt und erlitt einen Stromschlag. Nach dem Stromschlag konnte er sich nicht mehr selbst retten hing kopfüber auf dem Mast. Besonders belastend: Die alarmierten Einsatzkräfte konnten den Jugendlichen vorerst nicht retten, da die Hochspannungsanlage erst stromlos geschaltet werden musste. Auch die Gefahren, dass der Verletzte herunterfallen oder sein Gesundheitszustand sich verschlechtern könnte, machte die Helfer zu schaffen.
Erst nach über einer Stunde konnte der Energieversorger vermelden, dass er das gesamte Umspannwerk vom Netz genommen hat und der Mast nun von den Rettern gefahrlos betreten werden konnte. Das Technische Hilfswerk sowie die Höhenrettung der Feuerwehr retteten den jungen Mann über die Drehleiter. Er kam mit schweren Verletzungen, darunter Verbrennungen und einem sogenannten "Hängetrauma", ins Itzehoer Klinikum. Insgesamt waren über 40 Einsatzkräfte am Einsatzort.
Durch die Abschaltung des Umspannwerks ergab sich ein großflächiger Stromausfall - nach Angaben des Netzbetreibers SH-Netz wurden 130 Ortsnetzstationen nicht mehr mit Energie versorgt, sodass neben dem Ort Kellinghusen selbst auch umliegende Gemeinden und viele Dörfer von der Unterbrechung der Energieversorgung betroffen waren. Wie viele Haushalte davon betroffen waren, steht noch nicht fest. Erst nach Ende des Einsatzes gegen 22.45 Uhr konnte die Stromversorgung wiederhergestellt werden.

© westkuesten-news.de / Florian Sprenger
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Unsere O-Töne
O-Ton Klaus Ralfs - Pressesprecher Feuerwehr Kellinghusen: "Am heutigen Freitag gegen 20:45 Uhr wurde die Feuerwehr Kellinghusen alarmiert zu einem für uns besonderen Unfall. Ein junger Mann ist in einen Hochspannungsmast gestiegen, hat dort offensichtlich die Hochspannungsleitung berührt, ist oben hängen geblieben und konnte sich durch die Verbrennungen nicht selber in Sicherheit bringen. Danach wurde der Notruf abgesetzt von einem Freund der ihn begleitete und die Rettungskette wurde in Gange gesetzt. Mit Hilfe der Drehleiter Kellinghusen wurde der Einsatz soweit vorbereitet, aber der Schwerpunkt war eigentlich, die Person oben soweit erstmal zu betreuen, so lange die Leitung noch nicht abgeschaltet ist. 
Das hat ein Feuerwehrkamerad in hervorragender Weise übernommen und ihn so beruhigt, dass er ansprechbar blieb und letztendlich auch mit Verletzungen zwar, aber dann den Rettungsdienst übergeben werden konnte. Die Rettung von ihm aus dem Hochspannungsmast war insofern sehr diffizil, weil die Höhenrettungsgruppe aus dem Kreis Pinneberg mit alarmiert wurde, um ihn sachgerecht von oben zu retten. Nach dem Absetzen des Notrufes war es unklar, in welcher Situation der junge Mann war, so dass also zunächst einmal von der Netzleitstelle gesamt Kellinghusen und Umgebung stromlos geschaltet wurde. Dies blieb natürlich für die Bevölkerung nicht ohne Folgen. Nachdem ein Vertreter des Energieversorgers hier vor Ort war und die Schaltstelle lokalisiert und freigeschaltet hatte, wurde nach und nach der Strom in Kellinghusen wieder zugeschaltet, aber die eigentlich Einsatzstelle bleib stromlos, so dass dann die Höhenretter mit Unterstützung der Wehr Kellinghusen und der Drehleiter die Person letztendlich gerettet und den wartenden Notarzt übergeben werden konnte. Für die Helfer vor Ort war es eine ziemlich schlimme Situation, denn wir standen alle parat, wollten helfen und konnten einfach nicht helfen. Denn selbst nach dem großen Abschalten, hat man immer noch eine Restspannung auf diesem Hochspannungsmast, so dass ein gefährliches arbeiten nur denkbar gewesen wäre und das sollte natürlich vermieden werden. Wir mussten solange auf das Go vom Netzbetreiber warten."

O-Ton Andreas Freund - Feuerwehr Kellinghusen (Kümmerte sich um den Verletzten): "Es war für mich ein ungewöhnlicher Einsatz wie ich ihn so noch nicht erlebt habe. Der junge Mann ist dort oben auf einen Strommast geklettert, hat dort einen Stromschlag bekommen und verharrte da bis Hilfe kam. Die Person war jeder Zeit ansprechbar und wusste auch was passiert ist und wo er war. Solche Einsätze gehören nun mal zu unsere Aufgaben dazu - Leute zu retten und auch zu beruhigen. Es ging hierbei auch um das Thema Eigenschutz, da dort ja mehrere 1000 Volt im Strommast waren. Wichtig war es auch, beruhigend auf den Patienten einzureden und ihn abzulenken, um auch den Kreislauf aufrecht zu erhalten.

    Unsere Bilder
  • Totale der Einsatzstelle, viele Einsatzfahrzeuge vor Ort
  • Einsatzkräfte von der Höhenrettung und THW an der Einsatzstelle
  • Jugendlicher hängt am Hochspannungsmast (unbedingt Pixeln!)
  • Zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort, Feuerwehr und Notarzt stehen bereit
  • Höhenretter fahren mit Drehleiter zum Strommast
  • Jugendlicher wird gerettet und mit Trage nach unten gebracht (unbedingt Pixeln)
  • Abfahrt des Rettungswagens
  • Nahaufnahmen der Hochspannungsanlage
  • Schnittbilder

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