NEWSID: 2121
Datum: 19.02.2021 - 10:27 Uhr | Schleswig-Holstein

Hotelinvestor beginnt mit Räumung des "Bahnhofswald": Sicherheitsdienst riegelt Gelände ab, Bäume werden gefällt

Polizei und Stadt wurden von Aktion überrascht - Zahlreiche Polizeikräfte vor Ort - Polizei lässt Arbeiten vorerst wieder einstellen

Hotelinvestor beginnt mit Räumung des

Datum: 19.02.2021 - 10:27 Uhr
Ort: Flensburg / Schleswig-Holstein / Flensburg

Es ist ein umstrittenes Projekt: Unweit des Flensburger Bahnhofs soll in den kommenden Jahren ein Hotel-Neubau entstehen. Obwohl das Vorhaben politisch genehmigt ist, wehren sich Anwohner und Aktivisten seit Monaten gegen die Rodung einer Fläche mit zahlreichen Bäumen. Dazu haben die Aktivisten ein regelrechtes Dorf aus Baumhäusern in dem Areal errichtet. Diese Baumhäuser werden dauerhaft von den Umweltschützern bewohnt, um die Rodung zu verhindern. Eine Räumung durch die Polizei, die eigentlich für Ende Januar anberaumt war, wurde aufgrund der hohen Corona-Inzidenz in der Stadt durch die Verwaltung kurzfristig abgesagt. Die Stadt sprach aber aufgrund von Brandschutzmängeln ein Betretungsverbot für die Baumhäuser aus - daran gehalten haben sich die Aktivisten aber nicht.
Am Freitagmorgen nahm der Investor dann selbst das Zepter in die Hand: Im Morgengrauen rückte ein privater Sicherheitsdienst mit dutzenden Mitarbeitern an, riegelte das Gelände ab und errichtete eine Bauzaunanlage rund um das Grundstück. Parallel dazu begannen Arbeiter mti schweren Maschinen mit dem Absägen der Bäume. Die Polizei und auch die Stadt wurden von der Aktion offenbar überrascht, denn die Polizei erhielt erst rund eine Stunde nach Beginn der Aktion Kenntnis von den Arbeiten. Diese lies die Rodungsarbeiten aufgrund der unklaren Rechtslage und einer möglichen Gefährdung der in den Baumhäusern ausharrenden Aktivisten zunächst einstellen.
Das Ordnungsamt der Stadt Flensburg muss nun zunächst darüber entscheiden, ob die Räumung rechtmäßig ist und fortgesetzt werden kann. Ob diese Entscheidung heute noch fällt ist unklar.

© westkuesten-news.de / Sebastian Iwersen
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Unsere O-Töne
- O-Ton Hanna Poddig, Aktivistin: "...Also um kurz nach sechs Uhr ist hier private Security angerückt mit Flutlicht, die haben dann hier den Bauzaun aufgebaut und die Seilverbindungen zwischen den Baumhäusern gekappt, haben ganz viele Seile runtergeschnitten und haben den Leuten in den Baumhäusern gesagt dass sie jetzt mit ihnen runterkommen können oder von der Polizei runtergeholt werden. Es sind dann eine ganze Menge Unterstützer dazugekommen und auch die Polizei. Die Polizei war aber überrascht über die Aktion, da es sich gar nicht um eine polizeiliche Räumung handelt, sondern eine Privatarmee, die haben hier ihr eigenes Dind durchgezogen. Danach wurde es hier dann total skuril, weil die Polizei gesagt hat dass die Arbeiten eingestellt werden sollen, das ging dann aber noch eine ganze Zeit lang weiter, also die Kettensägen liefen weiter trotz sehr eindeutiger Ansagen der Polizei. Wir warten jetzt ab und können noch gar nicht sagen was weiter passiert. Es wurden Seile und Bäume abgesägt und auch ein Baumaus, das hier hinter uns in den Bäumen hing und von uns Villa Kunterbunt genannt wurde. Das ist als Ganzes runtergefallen. Ich finde das ist entlarvend für die Politik der Investoren und wie rücksichtslos sie jetzt versuchen durchzusetzen was ihnen wichtig ist. Ich finde es auch in Corona-Zeiten verantwortungslos, weil es klar ist dass es Leute aufgeregt. Die Stadt hat ja auch gesagt dass sie aufgrund der hohen Inzidenzwerte nicht räumen wollen. Das wäre logisch. So etwas dann in Eigenregie zu machen ist schon sehr fragwürdig. Wir können jetzt noch gar nicht sagen ob auch Bäume gefällt worden sind die gar nicht hätten gefällt werden dürfen, weil ja bestimmte Bäume nur im Dezember und Januar gefällt werden dürfen wegen dem Fledermausschutz. Dafür müssen wir uns nachher anschauen wie groß die gefällten Bäume sind, welchen Durchmesser die hatten. Wir sind gekommen um zu bleiben und der heutige Tag zeigt es ja auch, wenn wir nicht hier wären dann wären diese Bäume schon lange nicht mehr da. Von daher bleiben wir dabei und sind im Zweifel auch darauf vorbereitet länger in den Baumhäusern zu bleiben. "

- O-Ton Sandra Otte, Pressesprecherin Polizei Flensburg: "...Wir haben heute morgen um drei Minuten nach sieben Uhr die Kenntnis darüber erhalten das hier am Bahnhofswald Bäume gefällt werden und Zäune aufgestellt werden sollen. Wir haben dann erstmal Polizeikräfte hierher entsandt die sich einen Überblick verschafft haben und daraufhin haben wir dann erstmal die Arbeiten einstellen lassen. Die Rechtslage wird jetzt durch das Ordnungsamt geprüft, so lange warten wir ab. So viel ich weiß wurden Bäume gefällt und Bauzäune aufgestellt. Es gab wohl Konflikte zwischen den Baumbesetzern und dem Sicherheitsdienst, mehr können wir dazu noch nicht sagen. Die Prüfungen laufen beim Ordnungsamt, wir stellen jetzt sicher dass die Arbeiten eingestellt sind..."

    Unsere Bilder
  • Totale des "Bahnhofswaldes", zahlreiche Aktivisten vor Gelände
  • Arbeiter mit Kettensägen im Einsatz
  • Arbeitsbühne an Baum, Baum wird gesägt
  • Lautes Geschrei der Aktivisten
  • Polizei macht Megaphondurchsagen "Die Arbeiten sind einzustellen", Sägen laufen weiter
  • Festgenommende Aktivistin sitzt am Boden, wird in Streifenwagen gebracht
  • Aktivisten auf Baumhäusern und kletternd in Bäumen
  • Polizei mit großem Aufgebot vor Ort, zahlreiche Streifenwagen
  • Einsatzkräfte besprechen sich
  • Weitere Polizeikräfte rücken an
  • Abgesperrte Straße vor Bahnhof

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